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RTF Budenheim 13. Mai 2018


Bewertete Strecke: 111 km     Strecke: mittel     Ausschilderung: gut  
Verpflegung unterwegs: durchschnittl.     Verpflegung im Ziel: sehr gut      
Landschaftlich: schön     Autoverkehr: gering     Tour gesamt: gut  

Meine erste RTF dieses Jahr, alle anderen Termine habe ich bisher verstreichen lassen. Die Anmeldung ist wie immer ländlich gemütlich. Da ich nicht im BDR bin, bekomme ich eine Rückennummer gegen 5 EUR Pfand.
Bei einer RTF geht es um nichts, also kann ich es eigentlich gemütlich rollen lassen. Die letzten Jahre hat das nur irgendwie nicht geklappt. Keine Disziplin? Mag sein. Diesmal bin ich halb Neun auf der Strecke, nicht besonders früh, aber kein Grund für Hektik.
Aus meinem Fuhrpark habe ich ein altes Hercules mit Mannesmann-Rohrsatz aus den 80ern gewählt. Ich nehme mir fest vor, entspannt zu fahren. Aus Budenheim raus gibt's eine leichte Steigung. Die Rahmenschalthebel ohne rastende Indizierung wollen mit Gefühl bedient werden. Ruck zuck bin ich auf dem "Berggang" 42 x 24. Mehr geht an dem Rad nicht, und die ernsthafteren Anstiege kommen noch. Wie lange ich das "entspannt" durchhalten kann, muss sich noch zeigen.
Heute ist keine pralle Sonne pur wie im letzten Jahr. Die Natur kann jedoch in diesem trockenen Frühjahr jeden Tropfen brauchen, Regen ist also zu wünschen. Die Wettervorhersage gestern hatte erst für Abend Gewitter angekündigt, so rechne ich mit einer trockenen Runde. Doch schon ab Ingelheim ist der Asphalt verdächtig nass, und der Wind kommt anstatt aus Nordost jetzt aus Südwest. So langsam wird mir klar, was die Metereologen mit "Okklusion" und "schwer vorhersagbarem Verlauf der Fronten" meinten.
An der ersten Kontrollstelle in Ockenheim fülle ich Tee nach. Die Verpflegung ist übersichtlich, aber es ist ja auch keine Gourmet-Tour. Der Ort mit seiner Steigung kündigt an, dass es bald "nach oben" gehen wird. Ein paar Kilometer sind es noch bis Aspisheim, hier zieht sich die Straße mit gleichmäßiger Steigung in vier Kurven hoch auf das Plateau des Rheinhessischen Hügellandes. Inzwischen ist es regnerischer geworden. Die Aussicht in das Rheintal ist dementsprechend getrübt und die kühle Luft ist so feucht, dass der Atem sichtbar kondensiert. Bei der ungewohnt niedrigen Trittfrequenz muss ich mich konzentrieren, nicht zu verkrampfen. Und es geht. Mit moderater Anstrengung ist der erste Hügel geschafft und vorn links am Horizont ist der Funkturm Essenheim zu sehen.
Wie schön der Anstieg bei Aspisheim im Windschatten lag, wird hinter dem nächsten Ort Ober-Hilbersheim deutlich. Kein Baum und Strauch bremst den Wind auf der Hochebene. Ich versuche, mich an drei Überholer zu hängen, doch bei der nassen Fahrbahn heute taugt das nichts.
Der rasante Abstieg nach Sprendlingen fällt heuer etwas moderater aus. Bei Regen bin ich nicht der Held. Dafür sorgt der Gischt vom Vorderrad endgültig für nasse Schuhe. Fröstelnd erreiche ich Sprendlingen. Ich habe weder Jacke noch Armlinge eingepackt. Am Tourteiler hätte ich jetzt die letzte Chance, abzukürzen, doch ich wähle die Abbiegung nach rechts für die 111 km.
Über die Dörfer nach Volxheim rollt es bei der Windrichtung heute nicht so leicht, aber von der Kuppe hinunter nach Wöllstein ist diesmal kein langsames Auto vor mir, was laut GPS etwas über 60 km/h beschert.
Das Appelbachtal bis Hof Iben ist für mich der schönste Abschnitt, doch habe ich durchnässt nicht den richtigen Blick dafür. Die Kontrollstelle an der alten Komturei des Templerordens steht im Matsch. Gemütliche Pause ist anders, so versuche ich, schnell weiterzukommen.
Ab hier geht's zurück. Endlich Wind von hinten. Die Steigung zwischen Schießstand und NATO-Tanklager schaffe ich trotzdem nur mit Wiegetritt. Aber so wird mir wieder warm.
Wonsheim hat eine schöne S-Kurve in der Ortsdurchfahrt, dank Einbahnstraße ohne Gegenverkehr. Ein Stück aus dem Ort raus ist jetzt vorn links der interessante Gegenhang bei Eckelsheim und der Bellerkirche zu sehen, bevor es abschüssig nach Wendelsheim hineingeht. Bis hier führte mal eine Bahnlinie, längst stillgelegt. Die Trasse ist wohl verloren.
Die Route schwenkt nach Nord und der Wind kommt zunehmend seitlich, aber es ist flach und läuft leicht. Zwischendrin ist die Straße auch mal komplett trocken, das Trikot inzwischen auch. Nur das Sitzpolster der Hose ist noch nass wie ein Schwamm, und die Schuhe leider auch.
In Wallertheim hat die Feuerwehr die Hauptstraße belegt. Festvorbereitung? Die kleine Umleitung zeigt, was für interessante Ansichten manch ein Dorf hier bietet, die man von der Durchfahrtsstraße aus nie zu sehen bekommt.
Wolfsheim rückt näher, mitten im letzten größeren Anstieg der Tour gelegen. Mit dem alten Stahlgeröhr geht meine Trittfrequenz wieder in den Keller und die vom Regen ausgewaschene Kette beginnt leise zu klimpern. Doch schon ist mit 260 m ü. NN wieder die Plateauebene erreicht und ich fühle mich immer noch ganz gut. Letzte Kontrolle in Stadtecken-Elsheim. Kein Regen und etwas wärmer. Bis Ingelheim habe ich wieder mit dem Wind zu kämpfen, dann ein bisschen Endspurt nach Budenheim.
Während ich dem Kuchenbuffet fröne, findet draußen die Siegerehrung statt. Hier ist kein Tropfen Regen gefallen. Der östlich von Budenheim gelegene "Mainzer Sand" hat mit den geringstem Jahresniederschlag in Deutschland.
Fast vergesse ich, den Pfand für die Rückennummer einzulösen, bevor ich mich auf den Heimweg mache.
Dem Radfahrer-Verein Budenheim ist 2018 wieder eine nett organisierte Tour gelungen. Gerade die lange Strecke finde ich abwechslungsreich und ist mit etwas Kondition gut zu schaffen, ohne anspruchslos zu sein. Die gewählten Straßen sind alle brauchbar zu fahren und nirgendwo so autozentriert ausgebaut, dass es unangenehm würde.
 
Andre   13. Mai 2018, 18:37